Über Fiktion, Realität und grenzwertige Suggestionen

Horrorszenario: Geiselnahme und Entführung unter Waffengewalt, Opfer angeschossen, Polizei jagt Entführer, fernsehreife Szenen, schwerer Verkehrsunfall – leidenschaftlicher Waffensammler rächt sich für Waffenverbot.

Eine neue Katastrophe, welche die geplante Verschärfung des Waffenrechts bestätigt und eine schnellstmögliche Umsetzung unabdingbar macht? Auf den ersten Blick scheint es so:
Beispiel 1Beispiel 2Beispiel 3Beispiel 4

Verschiedene Medien suggerieren in ihren Aufmachern eine reale Tat. Sie spulen mit Genugtuung und offensichtlichem Genuß am Schrecken im Indikativ das Geschehen ab.

Oder stammt die Handlung aus einem spannenden Drehbuch, wird hier ein actionreicher Dreh nacherzählt? Oder handelt es sich um eine Großübung der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land, der Polizeidirektion Oldenburg und anderer Behörden?

Das ist nicht ohne weiteres ersichtlich. Das Wort Übung erscheint verschämt am Rande, gleichsam, um die Freude an der Handlung nicht zu trüben und munter drauflos fabulieren zu können. Ein bedauerlicher, zu vernachlässigender Einzelfall? Leider nein. Mehrere seriöse lokale Tageszeitungen haben so berichtet. Sie mißbrauchen eine Übung der Polizei für sensationsheischende “Berichterstattung“. Inwiefern würde sich diese Art der Publikation einer Polizeiübung von einer Nachricht über ein reales Tatgeschehen unterscheiden?

Eines gilt es klar zu differenzieren: Übungen der Polizei als Reaktion auf denkbare Tatabläufe sind notwendig und stehen außer Frage. Wer hier welche (befremdlichen) Annahmen in ein “Drehbuch“ schreibt, lassen wir dahingestellt sein. Aber wer solche Szenarien als Realität erscheinen läßt, disqualifiziert sich selbst von seriösem journalistischen Handwerk! Das ist unverantwortlich und unterscheidet sich nicht von Boulevard-“Journalismus“ unterster Ebene. Die Berufsauffassung und das Selbstverständnis dieser Redakteure und vor allem ihr Verhältnis zur Objektivität sprechen für sich. Mit solchen Darstellungen werden Erwartungen geschürt und bedient, Klischees bestätigt und gesetzeskonforme Waffensammler auf äußerst bedenkliche Weise diffamiert. Solche (bewußt?) tendentiöse Berichterstattung läßt keine Wünsche offen. Oder läuft man nur mit im Mainstream unreflektierter (Recherchen?) Lautmeldungen? Umso schlimmer! Weitere traurige Beispiele, wie einer unsachlichen Debatte Vorschub geleistet wird und Emotionen bedient werden. Wo bleibt die journalistische Verpflichtung dem Leser gegenüber?

Wo werden die Statistiken zitiert, welche die Gefährlichkeit von Waffensammlern belegen? Welche ähnlichen Fälle können herangezogen werden? Wie ist die Gewichtung der Vorkommnisse zwischen legalen und illegalen Waffenbesitzern? Wo bleiben Zahlen und Beispiele? Haben einige “Journalisten“ ihr Handwerk vergessen oder geht es um etwas anderes? Geraten nach den Sportschützen nun auch die Sammler ins Visier?

Hier wird aufgrund unrealistischer Annahmen das Unwahrscheinliche geübt, das Wahrscheinliche aber verschwiegen.

Es gibt keinen belegten Mißbrauch durch Waffensammler. Man sollte vielmehr ihre enormen kulturhistorischen Leistungen als Bewahrer unersetzlicher Werte publik machen – ob wir darüber jemals einen Artikel zu lesen bekommen werden? Gerne reißerisch aufgemacht: “Sammler bewahren Kulturgut!“

Bis dahin empfehlen wir zwei interessante Homepages:
Waffensammler-Kuratorium – Waffen -und Munitionssammler

 

Mit besten Grüßen

Dr. Hannelore Rex
Redaktion prolegal

 

Print Friendly, PDF & Email