Gelegenheit macht Mörde

Statt sich vor der Veröffentlichung mit den Hintergründen zu beschäftigen und somit investigativen Journalismus zu betreiben, beschränken sich viele Journalisten wieder darauf, Ihren Lesern eine einfache Placebo Lösung durch ein Totalverbot von Sportwaffen zu suggerieren. Ein Beispiel dafür ist ein Artikel in der Süddeutschen mit dem Titel “Gelegenheit macht Mörder” von Joachim Käppner. 

Schon die Beschäftigung mit den folgenden Punkten müsste einen objektiveren Artikel ohne die üblichen Reflexe und ohne einen völlig inakzeptablen Vergleich mit den RAF-Verbrechen ergeben: 

  1. Totalverbot analog England: Es wurde nicht recherchiert wie die dortige Entwicklung war. Trotz dem bestehenden Totalverbot wurden im Juni diesen Jahres 12 Menschen mit einer Schusswaffe ermordet – Einer Waffe, die nach dieser Argumentation gar nicht hätte vorhanden sein dürfen……  
  2. Wohnung von Sabine Radmacher: Die Wohnung wurde mit Nitroverdünnung regelrecht gesprengt. Es wurde nicht recherchiert welche Menge davon erforderlich ist um eine solch verheerende Wirkung zu erzielen. Ganz sicher nicht eine haushaltsübliche Menge einer an sich im Haushalt eher unüblichen Chemikalie…… 
  3. Munition  / abgegebene Schüsse: Die Anzahl der bei sich getragenen Munition wird mit ca. 300 Patronen, die Anzahl der abgegebenen Schüsse wird mit ca. 100 angegeben. Es wurde nicht recherchiert welche Vorbereitung erforderlich ist, um aus einer Sportpistole mit einer Magazinkapazität von 5 bzw. max.10  Schuss diese Menge an Schüssen in dieser kurzen Zeit abzugeben. 
  4. Waffenbesitz: Sabine Radmacher hat sich vor sechs Jahren in Ihrem Schützenverein abgemeldet und war seitdem bei keinem Schützenverein Mitglied oder aktiv. Es wurde nicht recherchiert was das Waffengesetz bereits seit mehreren Jahren dazu bestimmt.
  5. Zur Person Sabine Radmacher: Hier wäre zu recherchieren was die bisherigen Auslöser für solche Taten waren und wo eventuelle Gemeinsamkeiten liegen. 
  6. Zur Presse selbst: Hier wurde nicht recherchiert welche wissenschaftlich belegte Nachahmungswirkung die ausschweifende Berichterstattung über „Amokläufe“ oder auch Suizide in den Medien hat. Es gab dazu mehrere „runde Tische“ und eine Vereinbarung hinsichtlich einer solchen Berichterstattung. Wer hält sich, trotz der enormen Nachahmungswirkung seitens der Presse daran?

 

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