Armatix geht nun gegen Waffenhersteller vor

Böse Überraschung: Kurz nach der IWA & OutdoorClassics durchsuchten Mitarbeiter des Bundeskartellamts die Räumlichkeiten der Firmen Heckler& Koch und Carl Walther wegen des Verdachts auf Wettbewerbsverhinderung.

Ein Sprecher des Bundeskartellamts bestätigte: “Das Unternehmen Armatix hat gegen verschiedene Hersteller von Handfeuerwaffen Untersuchungen initiiert. Das Bundeskartellamt hat in diesem Zusammenhang Durchsuchungen bei den betroffenen Firmen durchgeführt.” Die Behörde hat sich zu den betroffenen Firmen nicht weiter geäußert, bestätigt sind die Untersuchungen bei Walther und HK.

Einem Gerücht aus der Wirtschaftspresse, daß auch die belgische FN Group betroffen sei, wurde aus Herstal widersprochen. “Bei uns hat sich bislang keine Behörde gemeldet. Wir haben selbst nur aus der Presse über diesen angeblichen Verdacht erfahren.”

Karl-Heinz Luther von Walther bestätigte die Durchsuchungen und daß sich Walther gegenüber der Behörde 100prozentig kooperativ gezeigt habe, betonte gleichzeitig aber auch: “Wir können uns nicht erklären, wieso Walther ins Visier der Ermittlungen geraten ist.”



Die Auseinandersetzungen zwischen HK und Armatix haben dagegen eine längere Geschichte. Ursprünglich hatte HK eine bis 2012 laufende Exklusiv-Lizenz für die Verwendung der Armatix’ Smart-Gun-Technologie für den behördlichen Bereich erworben, diese aber nicht genutzt. Armatix sah darin eine absichtliche Behinderung des Markteintritts, kündigte zum Jahresablauf 2009 die Lizenz und verkündete die Absicht, selbst in Produktion zu gehen. Darauf folgte der nächste Eklat, denn HK hatte seine Lieferanten angeschrieben und im Falle einer Zusammenarbeit auf Vertraulichkeitsvereinbarungen hingewiesen – vielen Branchenzugehörigen ist Ernst Mauch von Armatix immer noch als ehemaliger Mitarbeiter von HK ein Begriff. Dieses Schreiben sah Armatix als eine Art Boykottaufruf an und zog vor Gericht, aber das Verfahren endete mit einem Vergleich ohne Schadensersatzansprüche.

Armatix will zukünftig selbst produzieren, es gebe konkrete Kundenanfragen. “Wir fahren jetzt eine offene Lizenzpolitik”, so Armatix-Geschäftsführer Bernd Dietel gegenüber der Presse. “Mit unserer Waffenelektronik verändern wir die Welt – sie wird sicherer.” Nach seinen Schätzungen könne Armatix im ersten Produktionsjahr bis zu 20.000 Smart- Guns verkaufen und 2011 in die Gewinnzone kommen. Vor allem in den USA sieht Dietel große Marktchancen: “Es entsteht ein gewaltiges Produkthaftungsrisiko für etablierte Anbieter, wenn Sicherungselektronik verfügbar ist.”

Dies sieht man bei HK ganz anders, so sei seitens Polizei oder Militär “bisher kein ernsthaftes Interesse an einem solchen System bekannt geworden”, heißt es in einem Waffenmarkt-Intern / Messermarkt-Intern vorliegendem Positionspapier: “Vielmehr sind aus Sicht der Heckler & Koch GmbH insbesondere in Bezug auf behördliche Anwendungen zahlreiche, äußerst kritische Einflußfaktoren in Bezug auf die zuverlässige Funktion solcher elektronisch gesicherten Waffen zu bedenken, welche letztlich dazu geführt haben, daß die Heckler & Koch GmbH von einer weiteren Verfolgung der Smart Gun-Technologie Abstand genommen hat.”

Jetzt erhebt Armatix den Vorwurf, daß HK und andere Waffenhersteller einen Boykott der Smart-Gun-Technologie abgesprochen hätten. Das Bundeskartellamt teilte auf Anfrage lediglich mit, daß es einen “hinreichenden Anfangsverdacht” zur Einleitung von Untersuchungen gegeben habe. HK-Geschäftsführer Peter Beyerle sieht hingegen “keinerlei Hinweise darauf, daß der geäußerte Verdacht irgendwie begründet sein könnte”. Bei HK geht man fest davon aus, daß “das Verfahren eingestellt wird”.

Ein pikantes Detail: Eine mittelbare Muttergesellschaft von Armatix – die Moraun S. A. in Luxemburg – schuldet der Heckler & Koch-Beteiligungsgesellschaft (HKB) mehrere Millionen Euro, die inzwischen gerichtlich zurückgefordert wurden. Die HKB-Geschäftsleitung sieht einen “Sachzusammenhang” zwischen der Kartellbeschwerde und dieser Darlehensforderung. Armatix hingegen bereitet, wie Dietel ausführt, eine “Schadensersatzklage in zweistelliger Millionenhöhe gegen Heckler & Koch vor” und ist der Meinung, daß dies die Darlehensforderung bei weitem übersteigt. Das Verfahren kann sich nun bis zu zwei Jahre lang hinziehen, und wie das Bundeskartellamt ausdrücklich betonte, wird es seitens der Behörden bis zum Abschluß keine öffentlichen Verlautbarungen mehr geben.

Vorstehender Artikel mit freundlicher Genehmigung von Waffenmarkt-Intern

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