BSSB verbietet Aktionen von prolegal
Jahrmarkt der Eitelkeiten
Mit Schreiben vom 29.07.2011 hat der BSSB Aktionen von prolegal "aufgrund der Vorkommnisse im Rahmen der letztjährigen Deutschen Meisterschaft (...) und den nachfolgenden Ereignissen der vergangenen Monate" verboten.
Im Fall einer Zuwiderhandlung, zu der der BSSB auch das Auslegen von Infomaterial zählt, wird sich vorbehalten, vom Hausrecht Gebrauch zu machen.
Eigenartiges Vorgehen von BSSB und DSB
Das Selbstverständnis der handelnden Akteure zeigt sich auch darin, dass nicht etwa prolegal direkt darauf angesprochen wurde, dass dieses Jahr keine Genehmigung besteht. Nein, der Brief musste hinterrücks über den DSB an alle Teilnehmer zur Info gemailt werden. Ein Schelm, wer hier böses unterstellt. Aber man kommt schon auf die Frage, ob nicht etwa gezielt auf ein „Fehlverhalten“ spekuliert wurde, um flugs unangenehme Zeitgenossen per Hausverbot vom Gelände zu bekommen.
Auf Nachfrage wurde unter anderem auf die Mitteilung des DSB vom Oktober 2010 verwiesen, in der es heißt, dass der DSB prolegal weder materiell noch ideell unterstützt. Ersteres ist prolegal-satzungskonform. Da prolegal sich für den legalen Waffenbesitz aller vom Waffenrecht betroffener einsetzt, wirft der Umkehrschluss zu letzterem Fragen auf. Angeblich wird prolegal eine rechte Ausrichtung unterstellt. Dies wohl durch eine Webseite, die sich mit einem Symbol eindeutig gegen rechts ausspricht [6], aber rein gar nichts mit prolegal zu tun hat. Prolegal distanziert sich ausdrücklich von rechtem und radikalem Gedankengut sowie von der persönlichen Selbstdarstellung Einzelner. Sollte es jemals Rechte bei prolegal geben, so werden die Selbstreinigungskräfte einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung greifen.
Ein peinlicher Vorgang zeitigt seine Wirkungen
Das Verbot ist wohl nur als verspätete Retourkutsche auf einen peinlichen Vorfall auf der letztjährigen DSB-Meisterschaft in München zu werten. Damals wurden zwei prolegal-Direktoren mit ihrem Infomaterial durch badische Schützenfunktionäre zunächst des Badischen Zeltes und kurz später des Platzes verwiesen. Ein Hausverbot, das allerdings kurze Zeit später vom eigentlichen Hausherrn, dem bayr. Schützenverband, rückgängig gemacht wurde. Schließlich war das Verteilen von Flyern im Vorfeld genehmigt worden.
Die badischen Sportschützen reagierten aber einige Wochen später auf den selbstherrlichen Auftritt ihres Repräsentanten Manfred Nessel. Dem Druck der Basis hat der zur Rede gestellte Herr Nessel offenbar nicht mehr standgehalten und kurze Zeit später seinen Rücktritt auch mit Bezug auf diese Vorkommnisse begründet: „Die Wortführer sind der Meinung sich anderen Vereinigungen anschließen zu müssen (…) Diesen Weg kann und will ich (…) nicht mitgehen.“
Landes-Oberschützenmeisterin legt nach
Seine Landes-Oberschützenmeisterin Hannelore Lange leistet sich direkt danach die nächste öffentliche Diffamierung. In Ihrem Präsidentenbrief schreibt sie fettgedruckt „Diesen Vereinigungen, die mit ihrem aggressiven Auftreten in Politik und Medien unserem Sport großen Schaden zufügen, werden wir uns nach wie vor nicht anschließen.“ [1]
Diese Vorkommnisse sind wohl kein gebührliches Verhalten mit gegenseitigem Respekt. Sondern ein eher kleinbürgerliches Verhalten einiger „Schrebergarten-Vereinspräsidenten", die sich in ihrer Deutungshoheit und vermeintlichen verbandsmäßigen Allmacht bedroht sehen.
Dies sieht vielerorts selbst die breite Basis anders als deren Funktionäre, wie zum Beispiel der Schützenverein Roland Bad Bramstedt, der hier öffentlich einen regelrechten Offenbarungseid sieht [2]:
„ Die Landesoberschützenmeisterin des Württembergischen Schützenverbandes, Hannelore Lange, fordert in Ihrem Präsidentenbrief Mai 2011 zu einer Fortsetzung des Dialoges mit Politik und Ministerien auf “und dafür zu sorgen, dass wir unseren Sport weiterhin im gewohnten Maß ausüben können“ – welche Strategien sie hat, verrät sie nicht. (…)
Ihre Warnung: “Wir können alles verlieren wenn wir uns dem aggressiven Verhalten von Vereinigungen anschließen, die vorgeben, die Interessen der Schützen zu vertreten“ geht in die falsche Richtung. Sie bedenkt offenbar nicht, oder will nicht wahrhaben, dass wir bereits vieles verloren haben, permanent neuen, aktionistischen Gängeleien ausgesetzt sind und sehenden Auges auf das Aus zusteuern – und das wird nicht beim Großkaliber enden!“
Kann ein GK-Verbot verhindert werden?
Seit dem Wahlausgang in Baden-Württemberg besteht hier die konkrete Gefahr eines Verbotes aller Großkaliberwaffen. Dies geht eindeutig aus dem Koalitionsvertrag und den nachfolgenden Äußerungen hervor [3].
Längst hat sich gezeigt, dass das FWR eben doch keine Waffenrechtsverschärfung verhindern konnte. Auch längst ist bekannt, dass singuläre Kontakte in die Politik nach Wahlen futsch sein können. In Anbetracht der medialen Wucht sind alleinige politische Kontakte eben doch kein Allheilmittel. Kein Politiker kann sich Versprechungen unterwerfen, wenn die Medien – und sei es aus purer Fehlinformation – die Sachverhalte anders darstellen.
Gefährliche Gischt
Aber statt tolerant miteinander das gemeinsame Interesse zu verteidigen werden Grabenkriege im Sandkasten ausgefochten. Leben wir nicht alle zusammen auf einer sehr kleinen „rechtlichen“ Insel? Lohnen sich interne Gefechte? Oder liegen unsere Aufgaben nicht woanders? Die nächste Welle kann alles überspülen. Auch der höchste Thron der Funktionäre steht im gleichen weichen Sand.
Die nächste Welle kommt vielleicht schneller als erwartet. In Baden-Württemberg hat sie schon eine gefährliche Gischt entwickelt.
Auch hier wacht nicht nur die breite Basis, sondern auch die sportliche Elite des DSB auf. Auf der Webseite des Vereines der ersten Deutschen Meisterin Großkaliberpistole 9mm heißt es beispielsweise: „Setzt euch gegen diffamierende Äußerungen von Waffengegnern mit allen legal zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr! Bleibt sachlich, aber bestimmt. Es geht nicht an, dass die Legalwaffenbesitzer für das Versagen von Eltern, Schule und Politik und den dadurch verursachten Problemen verantwortlich gemacht werden!“ [4].
Gegenseitiger Respekt
Die reinen Zahlen der Zugriffe auf die Webseiten solcher Vereine und der Interessenvertretungen liegen beeindruckend hoch. Alleine prolegal kann in zwischen 60.000 und über 100.000 Seitenaufrufe verzeichnen. Eine „Auflage“ von der die meisten Printmedien nur träumen können. Wer wie Hannelore Lange in ihrem Präsidentenbrief schreibt „Sehr bedauerlich ist allerdings, dass es auch in unseren Reihen Unterstützer dieser Vorgehensweise gibt. Sie treten diesen Vereinigungen bei und bezahlen Beiträge damit diese Vereinigungen unser Engagement verunglimpfen und unsere Ehrenamtlichen beschimpfen.“ geht an der Zeit vorbei. Es sind eben längst nicht mehr nur einige wenige, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen, sondern eine sehr breite Masse. Im Übrigen ist auch das Engagement bei prolegal im Unterschied zu anderen Organisationen rein ehrenamtlich.
Um es mit aller Deutlichkeit zu sagen: Prolegal ist nicht daran interessiert Ehrenamtliche zu beschimpfen, zu verunglimpfen oder zum Rücktritt aufzufordern. Die Funktionäre leisten auf sportlicher und traditioneller Ebene in den Vereinen hervorragendes! Dies Engagement wird von prolegal respektiert. Es ist ausdrücklich nicht das Ziel hier die eingespielten Strukturen zu schädigen. Das führt zu keinem Erfolg für niemanden. Aber im Umkehrschluss wünschen wir uns ebenfalls den nötigen Respekt vor und für unsere Arbeit. Auch die Interessenvertretungen haben einen klaren Auftrag durch ihre jeweiligen Mitglieder.
Sehr positiv sind hier die jüngsten Äußerungen des DSB-Präsidenten Josef Ambacher zu werten. In Gotha hat er sich mit Nachdruck für alle Disziplinen und insbesondere für das Großkaliberschießen stark gemacht. Die Bestrebungen des DSB, viel gezielter seine Landesverbände über aktuelle Themen aufzuklären und zu informieren, wird als ausgesprochen positiv angesehen.
Lösen wir die eigentlichen Aufgaben !
Wie kann es sein, dass wir einfach wegschauen, wenn sich Heranwachsende mit unbeschreiblicher Rücksichtslosigkeit im Internet mobben, wenn ganze Gruppen wehrlose Opfer verprügeln und die Filme im Internet veröffentlichen? Warum sehen Putzkolonnen in der U-Bahn zu, wie ein wehrloser halbtot geprügelt wird, wischen dann aber flugs die Blutspuren vor Eintreffen der Polizei fort [5]. Die Ursachen für Panik-Taten aus scheinbar ausweglosen Situationen und der Verrohung unserer Gesellschaft sind doch nicht in den Werkzeugen der Tat zu suchen, sondern liegen tiefer in unserer Gesellschaft. Und genau dort hat die Politik auf ganzer Linie versagt.
Unsere Kinder sind der Schatz
Wir haben in Deutschland nur einen Schatz: Den Geist unserer Kinder. Und genau der wird über eine verquaste Schulpolitik bestmöglich bekämpft. Tatenlos werden nach schrecklichen Ereignissen leere Worthülsen generiert, die der Öffentlichkeit Aktionismus vorgaukeln sollen. Fast sieben Jahre Zeit hatte die Regierung die wirklichen Ursachen zu erforschen. Statt dessen stieg der Leidensdruck auf die Heranwachsenden durch die offensichtliche fachliche Überforderung in den Schulen. Fast ein Dutzend weitere Amokläufe gab es seit 2002 an deutschen Schulen, auch mit Toten und Verletzten. Durch blinden Aktionismus und Verteufelung der eingesetzten Tatwerkzeuge wird es die Regierung nicht schaffen, weitere Amokläufe zu verhindern. Ganz im Gegenteil, es gibt eine Rechtfertigung: Es war ja nur die Waffe.
Gesellschaftliche Aufmerksamkeit
Wir alle müssen unseren Kindern wieder Vorbild sein und Werte vorleben. Wir müssen den Leistungsdruck emotional soweit reduzieren, dass niemand soziale Ventile benötigt. Wir müssen zuhören, wenn jemand sich nicht mehr selber helfen kann und ihn nicht noch auslachen. Wir müssen den Zusammenhalt in der Gesellschaft durch die Förderung von Vereinen und dem Ehrenamt wieder steigern und dürfen nicht wegschauen, wenn sich Menschen am PC mit Spielen vereinzeln und durch das gesellschaftliche Netz fallen. Und wir müssen den Leitungsträgern der Zukunft hier in Deutschland eine Perspektive aufzeigen. All dies ist unbequem und bringt offenbar die Politik an den Rand des Leistbaren. Aber wenn wir jetzt gemeinsam wegschauen, tragen wir alle gemeinsam die Mitschuld an weiteren Tragödien.Â
Gemeinsam Verantwortung wahrnehmen
 Nehmen wir gemeinsam die Verantwortung wahr: Die Schützenverbände müssen auch weiterhin den Schulterschluss zur Politik üben und die sportliche Grundlage und damit den sozialen Zusammenhalt in den Vereinen bieten. Diese Aufgabe ist in der heutigen Gesellschaft überaus wichtig.
Um gegen das Mobbing durch Uninformierte vorzugehen, ist aber jeder gefordert. Auch ist jeder gefordert, die vermeintlichen „Fakten“, die durch gezieltes Weglassen von Sachlagen gegen uns eingesetzt werden, richtig zu stellen. Hier helfen Interessenvertretungen wie prolegal durch Öffentlichkeitsarbeit und vielfältige Unterstützung jedem Einzelnen. Engagieren Sie sich in Ihrem Verein! Verleihen Sie mit Ihrer Mitgliedschaft sowohl dem Verein als auch zusätzlich einem der Interessenvertretungen (FWR, FvLW oder prolegal) Gewicht!
Zusammen haben wir die nötige Leistungsfähigkeit!
Prolegal wird auch weiterhin die Interessen seiner direkten Mitglieder wahrnehmen, bietet aber den Verbänden den Schulterschluss zu den sinnvollen strategischen Abstimmungen.
Für das Direktorium prolegal
Dr. Markus Bartram
Quellen:
[1] http://www.pro-legal.de/wp-content/uploads/2011/05/Praesidentenbrief_Lange.pdf
[2] http://www.schuetzenverein-roland.de/newsarchiv/offenbarungseid-der-landes-oberschutzenmeisterin-hannelore-lange
[3] Koalitionsvertrag Baden-Württemberg
[4] http://www.sg-hauingen.de/waffenrecht/waffenrecht-index.html
[5] „Der Spiegel“ 32/2011 Seite 41
[6] http://guntalk.de/

