Schautanzen mit Minister

oder
Was der DSB unter einer Podiumsdiskussion zum Thema Waffenrecht versteht.

Quo vadis Deutsches Waffnerecht und Leistungssport der Zukunft? Einladung zur Podiumsdiskussion

Der bürokratische Aufwand durch die notwendige Umsetzung der EU-Waffenrechtsnovelle, der sich abzeichnende desaströse Wahlausgang für die CSU und die alljährlich stattfindende Deutsche Meisterschaft im Schießsport – was liegt für den DSB und den BSSB da wohl näher, als am 28.08.2018 auf dem DM-Gelände in München flugs mit fünf Tagen Vorlauf eine Podiumsdiskussion mit dem derzeitigen Staatsminister Joachim Hermann (CSU) anzuberaumen. 

Hochtrabend angekündigt unter dem Titel „Quo vadis Deutsches Waffenrecht und Leistungssport der Zukunft“ sollte es um eben diese Themen gehen. Fassen wir das Positive erstmal zusammen: Staatsminister Hermann hat auf Personenkontrollen am Eingang verzichtet – und das obwohl in der gut gefüllten Finalhalle der Olympiaschießanlage in Garching-Hochbrück wirklich jeder sein Sportgerät griffbereit nebst Munition legal bei sich hat haben können. Offenbar vertraut er immerhin in diesem Punkt seinen Schützen.

Alles andere ist kaum das Papier Wert, auf dem es nun geschrieben steht. Samt und sonders alle Fragen waren als geplantes Frage-und-Antwort-Spiel vom Moderator und seinem Gast vorformuliert. Zuschauerfragen wurden keine zugelassen, für die Stunde waren sicherheitshalber mehr Fragen vorbereitet als zeitlich umsetzbar.

Soweit so gut. Aber Hermann hätte auch abliefern können. Stattdessen wurden die Zuschauer regelrecht für dumm verkauft, wenn der Minister z.B. von der „EU-Novelle“ sprach, deren Umsetzung nun beim Bundesinnenministerium liegt. Als ob immer alles aus der EU gottgegeben urplötzlich über uns hereinbricht. Nein, denn auch die CSU-Europaparlamentartier haben auf EU-Ebene – mit einer Ausnahme – für die Novelle gestimmt. Ob nun in der Hand von Seehofer oder Hermann, es liegt nun an der CSU zu erklären, warum sie sowohl vorher als auch jetzt das Feld Dritten (hier dem BMI) überlässt, anstatt den politischen Willen der Wähler umzusetzen und Unbilden vom Bürger abzuwenden.

Der CSU droht im Herbst ein erdrutschartiger Absturz in der Wählergunst bei der Landtagswahl. Aber sie verspielt es sich auch noch in ihrem heimatlichen Stammland mit einer der größten bürgerlichen Wählergruppen. Glaubt der DSB, der BSSB oder die CSU allen Ernstes, dass keiner der Betroffenen weiß, was da mit der Umsetzung der EU-Feuerwaffenrichtlinie an unglaublichem  bürokratischen Aufwand  und rechtliche Verunsicherung kommen wird? Als Beispiel sei nur die Erfassung eines großen Teils der zur Zeit noch „freien Waffen“ genannt, wie etwa Vorderlader-Repliken oder Deko-Umbauten, sowie die Magazin-Beschränkungen und die Einführung weiterer Aufbewahrungsrichtlinien (ja, ein Einser-Schrank für den Steinschloß-Vorderlader) und was da noch so künftig waffenrechtlich erforderlich sein wird. Statt Fakten abzuliefern, wurde schwammig weich um den heißen Brei herumgeredet. Lediglich zu besonderen „Härtefallregelungen“ ließ sich Hermann herab.

Doch nicht nur die CSU hätte abliefern müssen. Seit dem der DSB aus dem FWR ausgetreten ist, übernimmt dieser wohl wieder höchstselbst die Öffentlichkeitsarbeit. Doch anstatt mit einer Gallionsfigur durch die politischen Aufgaben zu schneiden, lässt man sich von einem wenig überzeugenden Moderator am gemeinsamen Nasenring durch die Manege führen. Völlig weichgespülte Fragen, kein kritisches Wort. Da passt es ins Bild, dass dem Autor dieses Textes seine Frage zum Abstimmungsverhalten der CSU auf EU-Ebene verwehrt blieb. Eben diese Frage wurde im Vorfeld mit BSSB-Landesschützenmeister Wolfgang Kink besprochen. Doch dieser hatte wohl nichts besseres im Sinn, als seine guten politischen Beziehungen durch keine atmosphärische Störung trüben zu lassen. Wem nutzen aber solche Kontakte, wenn außer politischen Streicheleinheiten zum Wahlkampf keine Positionen vertreten werden?

v.l.n.r.: Gerhard Funier (DSB-Vizepräsident Sport), Wolfgang Kink (1. Landesschützenmeister BSSB), Joachim Herrmann (MdL-BY, Staatsminister des Innern und für Integration), Hans-Peter Gäbelein (stellv. Landesschützenmeister BSSB)

Die vornehmliche Aufgabe des DSB, und hier besonders des BSSB, ist es eigentlich, die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten – und nicht Schützenhilfe für den Wahlkampf  handverlesener Politiker zu liefern. Statt im Vorfeld die Mitglieder über die drohenden Waffenrechtsverschärfungen aufzuklären und zu veranlassen, mit ihren EU-Parlamentariern und Abgeordneten Kontakt aufzunehmen, wird nun auch noch billigend hingenommen, dass die mitverantwortlichen Regierungsparteien ihre Verantwortung auf die wenig wohlwollende BMI-Bürokratie abzuwälzen.

Da passt es nur zu gut ins selbstgezimmerte Bild, wenn kritische Fragen (wie in diesem Fall von meiner Person) ausgetrickst werden. Denn solche Fragen sind auch schon in den letzten Dekaden nicht gestellt worden. Schon gar nicht durch das FWR in den bleiernen Zeiten der Ära Keusgen, oder haben wir da irgendwo was verpasst?

Wes Brot ich ess…  Moderiert wurde die „Podiumsdiskussion“ durch den längst pensionierten Ex-Sportchef  des Bayerischen Rundfunks, Werner Rabe. Dieser – man glaubt es kaum – wurde anno 2013 auf der Delegiertentagung  des Deutschen Schützentages als erster Journalist  überhaupt mit der „Goldenen Medaille am Grünen Band des Deutschen Schützenbundes“ ausgezeichnet. Rabe kann auf eine jahrzehntelange Karriere vom Reporter über  Sportmoderator zum Programmbereichsleiter bei einem großen öffentlich-rechtlichen Sender zurückblicken. Solche von der Politik und dem Gebührenzahler-Heer fürstlich alimentierten Positionen (laut ARD runde € 8.000 – 11.000 ohne Sonderzuwendungen,  je nach Position) erreicht man nicht, indem man sich durch unbequeme Fragen an die politischen Herrschaften unbeliebt macht.

So hat Rabe die Zeit des als Podiumsdiskussion titulierten Schaulaufens des bayerischen Innenminister auf der DM in München geschickt so eingeteilt, dass für Fragen aus dem Publikum plötzlich keine Zeit mehr war. In der anschließenden Diskussion mit dem Autor hat er wörtlich gesagt, dass es „doch nur der Demokratie diene, wenn es keinen Fraktionszwang gibt und die Abgeordneten in der EU anders abstimmen“ könnten. Und dass es „mit dem Kopf durch die Wand wäre“, wenn man auf EU-Ebene etwas Anderes abstimmen würde, wo doch in der EU alle am liebsten alle Waffen verbieten und nur noch mit Lichtzeigern arbeiten wollten. Zu allem Überfluss hat er sich dann auch noch zugesagt, dass er eine Antwort von Hermann für den Autor nachträglich einholen würde. Was bis dato nicht geschah …

So blieb die gesamte Veranstaltung eine Farce, nur ein der baldigen Landtagswahl gestundeter Pflichtauftritt – was viele Zuschauern auch so empfanden. Kaum einer wird sich wohl freiwillig noch einmal solchem Schautanz unterziehen.

Bleibt resigniert die Feststellung, dass nun der BSSB und der DSB durch ihre unglückliche Art indirekt Wahlkampf für die AfD leisten. Dies ist angesichts der aktuellen Umfrageergebnisse sicher nicht der klügste Weg.

 

Für das Direktorium prolegal

Dr. Markus Bartram

(Gründungsmitglied prolegal und Erfolgreichster Deutscher Großkaliberschütze mit aktuell 106 Medaillen und 16 Rekorden).

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Ein Gedanke zu „Schautanzen mit Minister

  1. War live vor Ort und kann die Eindrücke von Markus bestätigen. Habe diese Veranstaltung wegen Sinnlosigkeit dann auch kurz vor Schluss verlassen.

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