Antwort an Markus Ferber (CSU)

Der folgende Text erreichte uns als weitergeleitete Antwort auf die Email, die der MEP Markus Ferber (CSU) nach der Abstimmung im europäischen Parlament zur Feuerwaffenrichtlinie verschickt hatte. Der Verfasser spricht unserer Meinung nach an, was im Moment viele Waffenbesitzer in Deutschland umtreiben wird. Nach Rücksprache haben wir die Erlaubnis, das Schreiben auf unserer Seite zu veröffentlichen. 


Sehr geehrter Herr Ferber,

zunächst einmal möchte ich Sie darauf hinweisen, dass sich im BCC alle MEPs der CDU sowie AFD, FDP und ALFA (Anmerkung des Admin: heißt jetzt Liberal-Konservative Reformer – LKR), befinden. Ich möchte, dass diese sehen, dass sich ein am Wähler orientiertes und auf Fakten basierendes Engagement auszahlt. Sicherlich befinden sich unter denen in BCC adressierten MEPs auch einige, die Seite an Seite mit Ihnen gegen diese unsägliche Feuerwaffenrichtlinie gekämpft haben. Diese möchte ich in mein Lob mit einschließen und sollen sich von meiner Kritik nicht angesprochen fühlen.

Sehr geehrter Herr Ferber,

mit großer Freude und einem schlechtem Gewissen las ich Ihr Schreiben, das Sie als Antwort auf die Anfragen von prolegal e.V., Zylinderbohrung und vielen anderen verfasst haben. Ich habe Sie zuvor sehr hart angegangen, weil Sie eben nicht in respektloser Weise nur mit unpassenden Textbausteinen geantwortet haben, sondern weil man bei Ihnen sofort gemerkt hat, dass man mit einem Menschen spricht.

DAFÜR MÖCHTE ICH MICH VON GANZEM HERZEN ENTSCHULDIGEN!

Lassen Sie mich erklären, woher mein (unser) Zorn kommt:

Wir Sportschützen und Jäger (bzw. wir Wähler) sind tlw. seit Jahrzehnten sehr frustriert von der deutschen Waffenpolitik. Einerseits werden wir seit Jahr und Tag systematisch diskriminiert, ausgegrenzt, erniedrigt und für Gewalt und Terror verantwortlich gemacht, den wir nicht zu verantworten haben. Wir leben in ständiger Angst vor dem nächsten Terroranschlag oder Amoklauf. Nicht weil wir Angst haben zu sterben, sondern weil wir wissen, dass jedes dieser Ereignisse zum Anlass genommen wird, uns noch weiter an den Rand der Gesellschaft zu drängen, uns zu enteignen und uns fertig zu machen, nur weil es politisch opportun ist und vor allem Leichter, als das eigentliche Problem (illegale Waffen) zu bekämpfen.

Gleichzeitig fühlen wir uns seit jeher machtlos, weil uns niemand zuhören möchte. Die Medien verteufeln uns und verbreiten oft vollkommen unwidersprochen großen Unsinn, der sich mit offiziellen Zahlen und Statistiken sehr leicht widerlegen lässt. In der Politik brauchen wir, mit Ausnahme der FDP, links von der CDU eigentlich gar nicht mehr anklopfen, weil wir dort ohnehin als „Waffennarren“ oder „Spinner“

verunglimpft werden. Eigentlich würde man nun denken, dass man gerade in der CDU dann doch gut aufgehoben sei als Sportschütze und Jäger, aber auch das ist nicht der Fall. Schon so viele Male wurden uns Solidarität vorgelogen und falsche Versprechungen gemacht, nur damit man uns beim nächsten Amoklauf, ohne mit der Wimper zu zucken, einen Dolch in den Rücken rammen konnte.

Anstelle Ihre ausgestreckte Hand anzunehmen, habe ich nur eine Gelegenheit gesehen meinen angestauten Frust und die tiefe Trauer und Verzweiflung, die sich die Jahre angestaut hat, Ihnen entgegenzuhalten, damit endlich mal jemand versteht, wie wir uns fühlen.

Jetzt wo Sie nicht nur gesprochen, sondern auch gehandelt haben, verstehe ich: Sie sind unser Verbündeter. Sie sind genau das, was alle anderen auch seien sollten, jedoch aus Angst oder aufgrund falsch verstandener Disziplin nicht seien wollen: EIN VOLKSVERTRETER! Sie repräsentieren die Interessen genau der Menschen, die Sie gewählt haben. DAFÜR MÖCHTE ICH MICH BEDANKEN!

Es bereitet mir große Freude, dass ich mit Ihnen einen Menschen an unserer Seite weiß, der sich engagiert für unsere Interessen, aber auch schlicht für den guten Menschenverstand einsetzt.

Die Verabschiedung der Feuerwaffenrichtlinie in der nun gültigen Form, hat meinen Glauben an die europäische Idee stark beschädigt. Es ist nicht nur die Richtlinie an sich, sondern es sind auch die vielen offensichtlichen Lügen, das Ignorieren von zwingenden Vorgaben (z.B.Folgenabschätzung durch Kommission) und die große Feigheit Ihrer Parlamentskollegen, die sich schlicht nicht trauen auch mal ein Gesetzesvorhaben scheitern zu lassen, wenn die Kommission und/oder der Rat versuchen mit unlauteren Mitteln ihren eigenen Willen durchzusetzen.

Politisch bin ich daher weiterhin genauso verloren wie bisher: Ich weiß nicht wen ich wählen soll. Meine Entscheidung wird daher wohl 2017 (Bundestagswahl) und 2019 (Europawahl) auf die AFD fallen. Nicht, weil ich Herrn Höcke so toll fände. Nein, keineswegs! Aber die AFD ist die einzige Partei, die zumindest in ihrem Grundsatzprogramm (leider nicht im Wahlprogramm) offen gegen weitere Waffenrechtsverschärfungen einsteht. Außerdem hat mich die AFD noch nicht in Sachen Waffenrecht verraten und enttäuschen können, sodass sie zumindest die Chance verdient hat, es besser zu machen.

Ich hoffe, dass Sie ein starkes Signal in Ihre Partei und Fraktion senden, dass uns Sportschützen und Jägern zeigt, dass wir zukünftig doch auch auf die CDU setzen und verlassen können, selbst wenn mal wieder ein Terroranschlag oder ein Amoklauf geschieht. Es gibt da sehr viel zerstörtes Vertrauen wieder gutzumachen und das ist nicht mit schlechten „Kompromissen“, bei denen eine Seite nur verliert (wir!), wieder gut zu machen.
 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für die Zukunft und verbleibe mit den besten Wünschen und Grüßen

M.N.

 

4 Gedanken zu „Antwort an Markus Ferber (CSU)

  1. Danke Herr Ferber, danke auch Ihnen, Herr Möhr! Als Mitglied und ehrlicher Unterstützer der CSU sehe ich trotzdem Hoffnung für uns Eigentümer von Waffen. Ich persönlich füge Ihrem Brief, Herr Möhr, und für Sie, Herr Ferber, hinzu, dass ich mehrmals am Tage an meine Waffenerlaubnis denke und daran, stolz zu sein, dass ich sie habe. Ich denke an die Erlaubnis, wenn der Drängler hinter mir fährt und so unverschämt wird, dass ich ihm am liebsten beim nächsten Ampelstopp die Meinung sagen würde, aber das Fenster geschlossen halte und nicht mal hinüberschaue, um bloß keinen unverdienten Kontakt mit der Polizei zu bekommen, da der andere dann Ursache und Wirkung vertauschen wird bei seiner Aussage. Ich habe im Jahr, wenn es hochkommt, drei Strafzettel wegen Falschparkens wegen Minuten. Wenn nach dem Schießen die Waffe gereinigt werden muss achte ich darauf, dass mir dabei kein Nachbar zusehen kann. Ich habe große Fenster im Haus, weil ich das Sonnenlicht sehr mag. Dieser Umstand sorgt auch dafür, dass ich auf dem Teller sitze und mir auch unbekannte Nachbarn aus den Mietshäusern gegenüber zusehen könnten was ich mache. Das alles ist keine Paranoia, sondern erforderliches Verhalten eines ehrlichen unbescholtenen Waffenbesitzers der es unter allen Umständen bleiben will. Man wird „heimlich“ als Waffenbesitzer, wahrscheinlich sogar noch heimlicher als derjenige Mensch mit dem illegalen Revolver. Was machen WIR falsch? Wo ecken WIR an? Gibt es etwas, wo wir im positiven Sinne herausstechen könnten aus der Menge der Menschen im Lande, und wer von den Politikern entdeckt endlich diese unsere guten Eigenschaften? Man kann verzweifeln, lieber Herr Möhr, Sie sprechen mir aus der Seele. Alles Gute. Adam Stegerwald

  2. Hallo Herr Stegerwald,

    vielen Dank für Ihren Beitrag. Ehrlich gesagt machen mich Ihre Ausführungen ein wenig traurig. Ich möchte keine unpassenden Vergleiche anstellen, jedoch erinnern mich Ihre Beschreibungen ein wenig an meinen Geschichtsunterricht. Zumindest kann man aber sagen, dass wir uns regelmäßig wie Bürger zweiter Klasse fühlen dürfen, die bloß aufpassen müssen, da wir sonst unser Daseinsrecht verwirken.

    Persönlich bin ich ein wenig offenherziger was meine Leidenschaft angeht. Ich habe ein wenig Militaria (Holz und Gusseisen) an der Wand hängen, zusammen mit ein paar sehr guten Schusskarten und Promotion-Poster. So eine kleine Lieberhaber-Ecke halt. Also jeder der bei uns zu Besuch kommt, sieht dass ich zumindest Waffenliebhaber bin. Ich dränge niemanden ein Gespräch auf, aber wenn irgendwo das Thema Waffen, Waffenbesitz oder Sportschießen zur Sprache kommt, sage ich frei heraus, dass ich Sportschütze bin und beantworte geduldig die typischen Fragen, die man da so bekommt. Da sollte man natürlich seine Fakten stets parat haben, damit man souverän antworten kann.

    Meist lauscht man mir dann auch ein paar Minuten, wenn ich vom Sportschießen und Vereinsleben erzähle. Ich denke, das hat positive Auswirkungen bei den Menschen, insbesondere wenn sie mich schon lange kennen und mögen.

    Ich muss auch ehrlich sagen, dass man sich zu viel Panik macht und viel zu viel Angst hat, dass man total Probleme bekommt, wenn man sich „zu erkennen gibt“. Das ist nicht der Fall. Eine anonyme Gruppe kann man gut verteufeln, aber wenn die Menschen vor einem stehen und einem ins Gesicht schauen, dann ist das was ganz anderes. Man merkt richtig, dass man die Menschen damit total überrascht sind, weil man so gar nicht zu den Vorurteilen passt und diesen Moment muss man dann nur noch positiv besetzen.

    Man muss aber auch damit leben können, dass nicht jeder positiv darauf reagiert. Das ist jedoch zumindest mir nur zweimal passiert und auch nur bei „fremden“ (Frauen) in der Runde. Angegangen wurde ich nie, sondern die Personen haben sich jeweils nur mit einem dahingenuschelten Kommentar abgewandt.

    Das alles bewegt keine Berge, aber ich finde es elementar, dass die Menschen so viele Sportschützen und Jäger wie möglich kennen und auch von ihnen wissen, dass es solche sind. Das hilft dabei das Stigma vom Irren und aggressiven Waffennarr nach und nach abzubauen.

    Ich bin ein ganz großer Gegner dieser „alten Schule“, die v.a. von den Schützen und Jägern im gehobenen Alter gepredigt werden: „Halte es bloß geheim, dass du Sportschütze bist! Das darf niemand wissen!“ Ja genau. Als hätte das die letzten 20 Jahre irgendwas geholfen. Im Gegenteil: Es hat dazu beigetragen, dass wir zu einer anonymen Masse geworden sind, auf die man nach Belieben einschlagen kann. Denn wenn es nur die trifft, die ohnehin niemand kennt und die sich nicht trauen etwas zu sagen, dann beschwert sich auch keiner. Das muss aufhören!

    Die Vorhänge sollten Sie trotzdem vorerst noch geschlossen halten. So weit sind wir leider noch nicht, dass die Menschen beim Anblick einer Sportwaffe nicht sofort Schnappatmung bekommen. Da müssen wir noch viel mehr mit unseren Mitmenschen reden und gemeinsam mit ProLegal, Firearms United und anderen Interessensvertretern uns ausreichend Gehör bei der Politik verschaffen.

    Bleiben Sie standhaft und bleiben Sie stolz auf sich selbst und Ihre WBK. Die WBK ist der beste Beweis dafür, dass sie zu der Gruppe der gesetzestreusten und diszipliniertesten Bürger in Deutschland gehören, denn sonst hätten Sie keine WBK mehr. Das sollen Ihnen erst einmal die Menschen nachmachen, die Ihnen am liebsten die WBK abnehmen würden!

  3.  nur weil es politisch opportun ist und vor allem Leichter, als das eigentliche Problem (illegale Waffen) zu bekämpfen.

    Das nun sehe ich nicht so. Das Problem sind auch nicht die illegalen Waffen, bei denen es sich zum Großteil sowieso nur um KK Gewehre, die vor 1972 gekauft wurden oder um die 08 Pistole vom Großvater aus dem großen Krieg. 

    Das Problem liegt woanders, doch besser als hier, kann ich es auch nicht schreiben:

    https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2017/es-reicht/

  4. Ich sehe nicht ein, warum man sich das Feigenblatt Sportschütze oder Jäger anziehen muss um legal eine Waffe zu besitzen. Warum darf man nicht wie in den EU – Ländern Österreich oder Tschechien Waffen für den Selbstschutz zu hause haben – also nicht mal extern führen ..
    Man bedenke dazu auch die Einbruchssituation in D und mit welchen Folgen angetroffene wehrlose Bewohner zu rechnen haben.. – es ist altbekannt, dass Verbrecher sowieso meist gut bewaffnet sind.
    Bei der Eignungs- und Aufbewahrungsprüfung kann es ja bleiben .. – aber wieso muss der Untertan wie im absolutistischen Herrschaftssystem erst ein Bedürfnis nachweisen ?
    Auch nach den Terroranschlägen mit KFZ darf sich jeder ohne irgendwelche Nachweise kaufen, was er aus diesem Bereich will – und niemand forderte eine Verschärfung der Straßenverkehrsordnung

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