„Deutschland unter Waffen?“

Es scheint tatsächlich Hoffnung für eine seriöse Berichterstattung in deutschen Medien zum Thema Waffen zu geben.  Es war leider sehr spät abends, oder eigentlich früh morgens, auch bedingt durch die lange Dauer der Wahl des Bundespräsidenten, als „Deutschland unter Waffen?“ gezeigt wurde. Lange nach Mitternacht flimmerte die Dokumentation des Autors Lutz Hoffmann über die Mattscheibe, er hatte mit seinem Team die ARD-Reportage gedreht.

Vorweg: Eine offene und sachliche Reportage über das Sport- und insbesondere über das Großkaliberschießen in Deutschland. Herzlichen Dank dafür!

Ein besonderer Dank gilt auch den Schützen aus Güstrow. Die Frauen und Männer um Frank Thiel haben, ebenso wie Herr Triebel, Büchsenmacher aus Berlin, dazu beigetragen, einen sehr sachlichen Bericht über diese schöne und friedliche Sportart zu erstellen. Mit sehr guten Statements, die auch einem unbedarften Zuschauer die Faszination des Schießsports näher gebracht haben.

Aber auch der langjährige Geschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei, Wolfgang Dicke, hat mit seinen Anmerkungen mit einigen gängigen Vorurteilen aufgeräumt und zur Versachlichung beigetragen. Auch die Äußerungen des Soziologen Arne Niederbacher waren durchweg bemerkenswert. Er hat den Schießsport in Deutschland untersucht. Beispiel: Es sei eben nicht so, dass man, wie oft behauptet, mal eben in einen Schützenverein eintreten kann, um sich eine Waffe „zu besorgen“, sondern Neumitglieder würden durchweg kritisch beäugt, bevor sie Zugang zu dem potentiell gefährlichen Gegenstand Waffe erhalten.

Natürlich kamen auch Waffen-Gegner zu Wort, wie ein Vertreter des Bundes Deutscher Kriminalbeamten oder Herrn Ministerialrat a.D. Jürgen Brennecke. Aber gerade Herr Brennecke hat sich mit seinem unsäglichen Vergleich von deutschen Legal-Waffenbesitzern mit „Fremdheeren“ aus dem Dritten Reich selbst ins Abseits gestellt, wörtliches Zitat: „Im dritten Reich gab es die Fremdenheere Ost, heute würde ich sagen, in Deutschland gibt es die Fremdenheere Mitte, die unter uns weilen“. Diese Aussage von Herrn Brennecke zeugt kaum von großem Geschichtsverständnis. Wenngleich eine historisch objektive Analyse der Arbeit der Abteilung „Fremde Heere Ost“ fehlt, war sie wohl im Dritten Reich für die Bewertung der Feindlage durch Beschaffung und Auswertung von Nachrichten zuständig. Insofern stellt sich schon die Frage, wie Herr Brennecke diese Äußerung meint. Nichtsdestotrotz wäre diese Aussage doch einmal von einer Staatsanwaltschaft zu prüfen, vergleicht er doch 4 Millionen gesetzestreuer Staatsbürger mit einem unter Umständen fragwürdigen Teil der deutschen Wehrmacht („Jede Nachsicht und Menschlichkeit gegenüber den Kriegsgefangenen ist streng zu tadeln.“) und somit indirekt mit dem Nationalsozialismus.

Die Schlussworte der Reportage lauteten:

„Die erste Waffe war der Faustkeil – vor anderthalb Millionen Jahren. Seither benutzen Menschen Waffen. Vieles könnte als Waffe verwendet werden, auch ein Golfschläger. Die Schusswaffe ist jedoch mehr als nur ein tödlicher Gegenstand. Sie ist vor allen Dingen ein Symbol für Macht und Gewalt. Ob sie zum Töten eingesetzt wird oder für den Sport, entscheidet immer der Mensch. Und diesen Risikofaktor konnte bislang noch keine Gesetzgebung berechenbar machen.“

 Zusammenfassend: Eine sehenswerte, objektive Reportage. Wer sie versäumt hat, sie ist Online in der Mediathek der ARD zu sehen: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=4824558

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